Dresdner Comedy- und Theater Club hat ein neues Zuhause am Alberthafen

Von Nadja Laske (Sächsische Zeitung, 02.02.2026)
Die Dresdner Theaterleiterin Heike Jack hat ihre Besucher schon an vielen Orten empfangen. Jetzt hat der Comedy- und Theater Club ein neues Zuhause. Warum der besonders ist – und was Matthias Machwerk dort auf die Bühne bringt.

Sächsische Zeitung / Nadja LaskeWenn Matthias Machwerk mit dem Humor hadert, heißt das nicht, dass er ihn verliert. Wie auch. Es käme einer Berufsunfähigkeit gleich. Außerdem passt es nicht zu ihm, schließlich ist er ein Jäger, der die Unzulänglichkeiten der Menschheit nahezu zwanghaft aufspießt, in Texte verwandelt und seine Humor-Harpunen tief ins Fleisch des Publikums schießt.

Das tut er regelmäßig im Dresdner Comedy- und Theaterclub. Mit dessen Programmen ist er schon an vielen Orten der Stadt abgetaucht – meistens in Untergeschossen, in die die Theaterleiterin Heike Jack ihr Publikum seit zwei Jahrzehnten zum Lachen in den Keller führt.

Treppab zum Gelächter

Ein festes Haus hatte ihr Club nie. So wechselten die Spielorte je nach Möglichkeit und stellten Heike Jack immer wieder vor große Herausforderungen. Nun wird der Comedy- und Theaterclub 20 Jahre alt und startet sein Jubiläumsprogramm in einem neuen Domizil. Wie sollte es anders sein: Der Weg zum Gelächter führt auch da einige Treppen in den Untergrund. Im Restaurant Alberthafen haben die Betreiber einen ganz neuen Veranstaltungsraum geschaffen, der beste Bedingungen für Kleinkunst und Konzerte bietet.

Stahlträger ersetzen die Säulen

„Bevor hier ausgebaut wurde, stützten mehrere Säulen die Decke ab“, sagt Heike Jack. Für die Sicht der Gäste wäre das extrem ungünstig gewesen. Nun sorgen extra eingezogene Stahlträger für Stabilität und freien Blick auf die Bühne. An den modernen Raum und dessen nüchterne Architektur muss sich die Theaterchefin gewöhnen. Lud sie ihre Zuschauer zuletzt doch ins alte Kellergewölbe des Kügelgenhauses an der Hauptstraße ein. Das wirkte kuschelig und intim, war aber zuletzt vor allem feucht und als Spielstätte ungeeignet.

Bitte keine Zweideutigkeiten!

Dass der Comedy- und Theaterclub älter wird, heißt nicht, dass kein frischer Wind weht. Der lüftet nun das Kellergeschoss und reißt auch Matthias Machwerk mit. Seine Programme gehören fest zum Club und treffen auf dankbare Abnahme bei allen Zuschauern, die dem Humor des Künstlers folgen und nichts Gegenteiliges beanspruchen. Das funktioniert nicht immer so. „Der Humor ist in der Krise“, sagt der 57-Jährige, dem es zunehmend passiert, dass Veranstalter versuchen, dem Autor und Kabarettisten den Humor zu diktieren: Bitte dieses und jenes Thema nicht ansprechen, heißt es dann. Bitte keine Zweideutigkeiten. Bitte nichts, worüber nicht alle, auch wirklich alle lachen können.

Feixen zwischen den Fronten

Wie soll das gehen? Noch dazu in der heutigen Zeit, deren Themen polarisieren, wie nie zuvor? „Früher hat die ganze Familie über Herricht und Preil gelacht. Da waren sich sämtliche Generationen einig in der Auffassung, was Anlass für Komik gibt und lustig ist“, sagt er. Das sei vorbei.

Schlimmer noch: Seit Jahren verhärten sich beim Feixen die Fronten. „Ich möchte sogar sagen: Der Humor geht verloren!“ Grund dafür ist aus seiner Sicht, dass sich die Menschen zu wichtig nehmen. „Wir sind eitler geworden und verlernen, über uns selbst zu lachen.“ Entsprechend darf das auch kein anderer, und schon gar nicht öffentlich.

Auf Shitstorm vorbereitet

So komme es, dass immer wieder Comedians scharf in die Kritik geraten, wie beispielsweise Lisa Eckhart und Dieter Nuhr, denen rechte oder gar antisemitische Äußerungen vorgeworfen wurden. Verbreitet das nicht Angst und Schrecken im Lager der Lacher und deren Macher? „Ich habe keine Furcht, falsche Töne anzuschlagen“, sagt Matthias Machwerk. Wenn er sich vor drohender Einordnung in beargwöhnte Lager sorgen würde, könne er nicht mehr arbeiten. „Aber ich bin innerlich immer auf einen Shitstorm vorbereitet.“

Comedian setzt auf Gelassenheit

Der folgt nicht zwingend nur auf Blüten des politischen Kabaretts. Auch seine Themen rund um Frauen, Männer, Gendergerechtigkeit oder -ungerechtigkeit, Sex und Süchte bieten genug Angriffsfläche. Das Einzige, was dagegen und gegen das Echauffieren helfe, sei Gelassenheit.

Bei einem vermeintlichen Aufreger erst mal tief durchzuatmen und von oben draufzuschauen, helfe enorm, die Ruhe zu bewahren und mit kühlem Kopf zu reflektieren: Was ist denn eigentlich wirklich passiert? „Ich bin überzeugt: Gelassenheit ist Übungssache“, sagt Machwerk.

Party mit den Notendealern

Mit diesem Rüstzeug kämpft er weiterhin tapfer gegen Humorlosigkeit, kulturelle Aneignung und sexuelle Abneigung, heißt es ankündigend von ihm. In seinem aktuellen Programm „Sex, Suff und andere Schadensfälle“ lästert er über Paare, Verpaarungen und Genderei, bewegungsscheue Jugend, arbeitsfaule Influencer – das alles „ehrlich, direkt und politisch unkorrekt“.

Allein bleibt er nicht. Das Programm der neuen Comedy-Saison hält unter anderem die Vorstellung „Ab morgen wird alles anders“ mit Ellen Schaller bereit. Sie spielt, singt und erzählt Texte von Elke Heidenreich. Und die Notendealer feiern Geburtstag mit einem Best of 2026 plus After-Show-Party.